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Das Stück (Fotos dazu) Prinz Philipp, der immer gleichen Lustbarkeiten mit den hingabefreudigen Hofdamen überdrüssig, begegnet Yvonne, deren Andersartigkeit, ja Hässlichkeit, ihn reizt und herausfordert. Aus einer Laune heraus verkündet er seine Verlobung mit Yvonne. Um einen Skandal zu vermeiden, willigt der Hof in die Heirat ein. Yvonne widerspricht allen Verhaltensmustern, die man von ihr erwartet. Ihr beständiges Schweigen macht sie zum Rätsel und damit zur Bedrohung für alle. Jeder entdeckt in ihr die eigenen Schwächen und Mängel, die er sorgsam hinter der äußeren Form versteckt halten will. Vergeblich. Die Fassade bröckelt. Die sonst durch Etikette und Konventionen stabilisierte feine Gesellschaft droht auseinander zu brechen. Sichtbar wird eine Mörderbande: die Tötung Yvonnes erscheint als einzige Lösung, um die alte Ordnung wieder herzustellen. Man kann "Yvonne, die Burgunderprinzessin" als ein Königsdrama, oder genauer als Königsfarce bezeichnen. Gombrowicz' groteske Komödie wurde 1938 veröffentlicht, aber erst 1957 in Krakau uraufgeführt. Später fand es dann in vielen Theatern auch in Westeuropa eine immer größere Beachtung. Obwohl sich eindeutige Interpretationen verbieten, bleiben angesprochene Themen wie "Unterwerfung", "Ausgrenzung", "Gewalt gegenüber Andersartigen" aktuell und brisant. Gombrowicz' Text ist zeitlos. Ohne Probleme erkennen wir die Schickeria, Prominenz und Popanz unserer Tage. Und Yvonne? Irgendwie bekannt, aber andererseits... |
![]() Witold Gombrowicz |
Der Autor Als Sohn eines Landadligen in Maloszyce (Polen) wurde Witold Gombrowicz am 4. August 1904 geboren. Nach seinem Jurastudium arbeitete er von 1928 bis 1934 an einem Warschauer Gericht. 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, emigrierte er nach Buenos Aires, Argentinien. Er lebte dort von der Arbeit als Bankangestellte. Als seine eigentliche Lebensaufgabe betrachtete er jedoch das Schreiben. Nach dem Krieg kehrte er nach Europa, nicht aber nach Polen zurück. Dank eines Stipendiums der Ford-Foundation ging Gombrowicz 1963 für ein Jahr nach Berlin. Danach ließ er sich in Südfrankreich nieder, wo er 1969 an den Folgen seines Asthmas starb. Er war einer der bedeutendsten und einflussreichsten polnischen Schriftsteller dieses Jahrhunderts. Neben Romanen, Novellen, und Tagebüchern schrieb er drei Schauspiele: "Yvonne, die Burgunderprinzessin", "Die Trauung" und "Operette". Diese Schauspiele, in denen sich polnische Tradition und Avantgardismus, Familiendrama und Königsdrama parodistisch verbinden, gehören inzwischen zum Repertoire des modernen Welttheaters. Die Königsdramen von Shakespeare dienten ihm als Vorbild für seine eigenen Stücke und sollten als solche von den Zuschauern auch erkannt werden. Er hat in seinen Arbeiten stets versucht, bekannte Formen zu übernehmen und darin seine neuen gefährlichen Inhalte zu transportieren. Form und Inhalt fallen also weit auseinander, und zwar bewusst. Viele Male hat der Autor seine Entschlossenheit hervorgehoben, Zuschauer nicht zu langweilen. Sie durften nach seiner Ansicht provoziert, aufgerüttelt, geärgert, aber nicht angeödet werden. Deshalb verpackte er Unbekanntes in vertrautem Gewand. |